Dr. Ulrike Brandenburg in Allgemeine Zeitung Mainz, Oktober 2005
Dem Maler Bruno Erdmann ist die aktuelle Ausstellung in der Galerie Bergner plus Job gewidmet - einem Veteranen der Moderne, dessen Werken eben ganz und gar nicht das Altmodische gestriger Avant-garden anhaftet.
1915 wird Erdmann in Darmstadt geboren, 1933 beginnt er sein Studium an der Frankfurter Städelschule - zu seiner Enttäuschung nicht bei Max Beckmann, diesen haben die Nazis bereits entlassen. Dem Krieg entgeht Erdmann durch eine Tuberkulose - Erkrankung, die er 1944/45 im Sanatorium in Davos kuriert. In dieser Zeit besucht der Maler unter anderem das Zürcher Kunsthaus, hier lernt er Arbeiten der großen Modernen kennen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird Erdmann Mitglied der „Neuen Darmstädter Sezession", es folgen Paris-Aufenthalte. Der Villa-Romana-Preis führt ihn 1981 nach Florenz, 1986 widmet ihm die Kunsthalle Darmstadt eine Werkschau. 1998 folgt der Wilhelm-Loth-Preis, der mit einer Retrospektive auf der Mathildenhöhe verbunden ist. Erdmann stirbt 2003 im Alter von 89 Jahren.
Er hinterlässt ein durchgehend hochrangiges Werk, dessen Besonderheit in einer kontinuierlichen stilistischen Fortentwicklung besteht. Dieser seltene Verzicht des alternden Künstlers auf das Selbstzitat macht die eigentliche Sensation aus. Entsprechend zeigt die Galerie Bergner plus Job Arbeiten aus allen Werkphasen. Da ist einmal ein Ölbild mit dem Titel „Montmartre". 1956 ist es gemalt worden, großzügig ist die Flächenaufteilung, dezent die Farbigkeit. Das hat nichts vom Verspielt-Pastelligen der 50er-Jahre, dem selbst die berühmten Abstrakten der Zeit nicht entgangen sind. In den 60ern entscheidet sich Erdmann für die informelle Malweise und verleiht auch dieser Stilrichtung eine eindeutig persönliche Prägung. Sämtliche Arbeiten des Künstlers zeichnen sich durch eine ebenso zurückhaltende wie sublime Farbigkeit und eine klare Formgebung aus. Dazu kommt eine hohe handwerkliche Präzision. Diese ermöglicht es dem Maler am Anfang der 80er Jahre, eine Sonderform konkreter Kunst zu entwickeln. Erdmann nutzt die Grundbedingungen der Form- und Farbreduktion, um sie gleichsam magisch zu unterlaufen. Der Künstler entwickelt Variationen der Helltonigkeit, die ganz unmittelbar als Lichtquelle wirken. Bei der Bildbetrachtung fühlt sich der Besucher einer Farbstrahlung unmittelbar ausgesetzt. Diese erstaunliche Erfahrung wird sich übrigens im nächsten Jahr wiederholen lassen - dann nämlich, wenn das Wiesbadener Museum eine Station auf der geplanten Wanderausstellung des Erdmannschen Werkes sein wird.