Alf-Krister Job, Eröffnungsrede zur Ausstellung 29.1.2005
Lieber Heiner, meine Damen und Herren,
ich begrüße Dich und Sie herzlich zu unserer 5. Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers Heiner Thiel.
• NEUE WANDOBJEKTE UND ZEICHNUNGEN -
So der Titel in der Einladung
gemeint ist nicht das heute im üblichen Sinne verstandene "aktuell Angesagte", gemeint ist das "Veränderte und Weiterentwickelte"
• WEITERENTWICKLUNG und KONTINUITÄT - das möchte ich als langjähriger Kenner des Werkes behaupten - zeichnen die Arbeiten Heiner Thiels entscheidend aus.
• Und in dieser KONTINUITÄT wächst ein Werk, das sich -weit weg von den massenhaften künstlerischen Erzeugnissen- dem Finden des Wesensmäßigen verschrieben hat.
• Das Wesensmäßige in Heiner Thiels Schaffen beschreibt der Kunsthistoriker Matthias Bleyl
– Verfasser des Grundlagenwerkes "Essentielle Malerei" --
als "(Arbeiten) die weder im Raum entfaltete Malerei noch farbig gefaßte Plastik (sind).
• Thiels Arbeiten sind Plastiken, d.h. Raum und Form sind zunächst ihre immanenten Qualitäten. Es sind Segmente von imaginären Kugeln mit bis zu mehreren Metern Durchmesser. Sie sind mittels Computer genau berechnet, aus dem Alublech geschnitten und geformt. Durch Eloxieren wird das Aluminium mit einer extrem dünnen Farbschicht überzogen, wobei seine typische metallische Lichtreflektionseigenschaft erhalten bleibt.
• Fragen nach Ursache und Wirkung entstehen
Sehe ich einen räumlichen Körper? Oder sehe ich einen körperhaften Raum?
Sehe ich ein Quadrat auf der Wand? Oder sehe ich ein Quadrat in der Wand?
Im Sinne einer Antwort könnte man im Bildhauerischen Werk Heiner Thiels die Ambivalenz von Realraum und Scheinraum, von Außen und Innen als roten Faden bezeichnen.
Geschliffene Außenkanten mit ihren Wölbungen und Schattenwürfen machen Räumlichkeit und Dimension der Kugelsegmente – bis hin zur imaginären ganzen Kugel – bewußt.
Steht der Betrachter aber an einem fixierten Standpunkt – mit der Blickachse rechtwinklig zur Mitte des Objektes – scheint dieses sich zur quadratischen Fläche zu reduzieren um dann als räumliche Erscheinung mit der Wand selbst in Interaktion zu treten, als neuer Raum, der nicht dauerhaft zu fixieren ist. Eigenartigerweise strahlt und verdunkelt sich das Objekt. Licht wird, abhängig vom Betrachterstandpunkt, unterschiedlich reflektiert, es erhellt bzw. verdunkelt die wahrgenommene Farbe.
• Was macht Hier die Farbe?
Farbe ist (wie Bleyl sagt) die immanente Qualität von Malerei. Doch Malerei beschäftigt sich mit dem Auftrag von Pigmenten, also mit der Farbe an sich. Der Duktus des Farbauftrags bleibt letztlich der persönlichen Handschrift des Künstlers vorbehalten.
Bei Heiner Thiel gibt es nichts "Handschriftliches". Der Farbauftrag ist vollständig anonym und dient letztlich der Nuancierung des auf das Objekt einfallenden LIchtes und seiner Reflexion.
• Die Erscheinung der Farbe Variiert
verändert sich über die Vergrauung bis hin zu ihrer Abwesenheit, zum Schwarz. Heiner Thiel nennt es die "Verflüchtigung von Farbe".
• bei den neuen Wandobjekten
führt die Verwendung einer dickeren Materialstärke zu einer Betonung des skulpturalen Aspekts, läßt die Skulptur als Ganzes wieder mehr in den Vordergrund treten, wenngleich auch ebenso Proportion und Qualität des Tafelbildes ausgelotet und weiterentwickelt werden. Dabei bleibt Thiel der steten Ambivalenz seiner zwischen Körperlichkeit und Bildhaftigkeit pendelnden Objekte treu.
Um mit Matthias Bleyl zu sprechen, (sind die) wesensmäßigen Eigenschaften nicht nur unabhängig voneinander angewendet worden, sondern (sie haben) in diesen Objekten tatsächlich zusammengefunden und (sind) nicht mehr voneinander lösbar.
Vielen Dank