Sigurd Rompza Wandobjekt + Zeichnung Ausstellung 30.3. - 30.4.2004

Sigurd Rompza, "zu meinem künstlerischen standort", Neunkirchen/Saarbrücken 2003.06

 

 

bezugnehmend auf von mir geschaffene hoch- und flachreliefs beginne ich 1985 mit künstlerischen arbeiten, bei denen die trägerplatte des reliefs entfällt. die linearen elemente können sich nun in unterschiedlichen verbindungen frei auf der wand artikulieren.


diese neuen arbeiten sind verstärkt auf das sehen ausgerichtet, sind sehstücke. das sehen steht für eine reihe von künstlern im 20. jahrhundert im mittelpunkt ihrer künstlerischen arbeit. in konkreter kunst zeigen sich entscheidungen gegen das sehen insbesondere dann, wenn z.b. mathematische operationsmodelle als formations- und transformationsregeln für geometrische elementarformen im aspekt des darstellens in den vordergrund gerückt sind. dies hat sehr oft zur folge, daß andere bildnerische problemstellungen kaum berücksichtigung finden. mit blick auf die philosophie wittgensteins und hier insbesondere dessen 'linguistic turn' zum sprachspiel, läßt sich feststellen, daß sich bei thematisierung des sehens das dem sprachspiel analoge bildspiel entfalten kann. infolgedessen wird von mir die bildsprachlich relevante auswahl hinsichtlich des darstellens in opposition zu formalistischen tendenzen gegenwärtiger kunst unter dem aspekt des sehens getroffen. es gilt mit der natur des sehens zu arbeiten. 'natur des sehens' bedeutet wie sehen passiert. der akt des sehens ist nicht statisch, sondern vollzieht sich in bewegung. es entsprechen ihm polyvalenz der beziehung von bildelementen, mediale doppeldeutigkeit, nicht-statische räumlichkeit, farb-form -beziehungen und offene bildformen. mehrdeutigkeit, nicht eindeutigkeit ist bestimmendes prinzip. insbesondere diese grundsätzlich am sehen orientierten überlegungen sind bestimmend für die regeln der produktion von mir seit 1985 gefertigter wandobjekte.


auf bildspielhandlungen und somit sehhandlungen hin konzipierte wandobjekte können den rezipienten veranlassen, u.a. form zu sehen, sie in veränderung zu sehen, farb-form zu sehen und farb-bewegung zu sehen, stabelemente positiv zu sehen, ihre schatten negativ und umgekehrt, den nicht -statischen objektraum und schattenraum zu ertasten, innen als außen und umgekehrt zu erfahren, dies sowohl selektierend als auch in kombinationen. ein derartiges sehen ist stets bedeutungsgeladen und assoziativ.


parallel zu den objekten aus stabelementen entstehen in den letzten jahren zeichnungen auf reliefs und vollplastische körper. neben den linearen elementen kommen auch farben zum einsatz. die lichthaften farben gehen mit der lichthaftigkeit des reliefs eine verbindung ein; die weißen, unterschiedlich lichthaften reliefflächen artikulieren die lichthaften farben. auch diese arbeiten sind auf sehhandlungen hin konzipiert.

 

 

 

 

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