1957
geboren in Bernkastel-Kues
1977-85
Bildende Kunst und Kunstgeschichte, Mainz
Bildhauerei, Städelschule F bei M.Croissant
1985
Förderpreis der Stadt Mainz
1986
Förderpreis, Land Rheinland -Pfalz
Lehrauftrag an der CSU Chico / USA
1988
1.Preis, Förderpreis junge Künstler
der Saar-Ferngas AG; 3.Preis, ESWE-Kunstpreis für Plastik in Wiesbaden
1990
2.Preis, ESWE-Kunstpreis für Graphik, WI
1996
Lehrauftrag an der CSU Chico/USA
Großplastik: "offenes Quadrat" Skulpturenweg Rheinland-Pfalz e.V.
1998
Balmoral-Stipendium, Land Rheinland-Pfalz
Lebt und arbeitet in Mainz und Wiebaden
1998, 2000, 2001, 2003, 2005 BERGNER + JOB Galerie
Es handelt sich um eloxierte Metallplatten, deren Farbe sich chemophysischen Prozessen verdankt, also nicht durch Pigmentauftrag entsteht; deshalb gibt es auch keine auf Handarbeit verweisende Auftragsspuren. Vielmehr ist die Färbung so mit der Oberfläche des Metalls identisch, daß dessen Materialqualität erhalten bleibt und etwa als spezifischer und je nach Bewegung der Oberfläche variabler Glanz zur Geltung kommt, was nicht einmal bei einer auflackierten Lasurfarbe in gleicher Weise möglich wäre. Es entsteht eine Art Farblicht jenseits der durch Malerei bereitgestellten Möglichkeiten. Eben darum handelt es sich nicht um eine extravagante Art monochromer Malerei, doch spricht auch noch ein weiterer, wesentlicher Grund dagegen. Die Metallplatten sind leicht gekrümmt, wölben sich besonders an den Ecken von der Wand weg auf den Betrachter zu, was einerseits zu geschwungenen Schattenzonen hinter ihnen und andererseits zu unterschiedlicher farblichthafter Intensität auf ihnen führt. So entstehen unausmeßbare Farbräume. Die Platten sind jedoch nicht lediglich quadratische Bleche, die an den Ecken aufgebogen wären, sondern präzise erstellte Kugelsegmente (worauf der Untertitel Sphere hinweist), also Ausschnitte von virtuellen Kugeln, deren geometrisch konzeptueller Ansatz noch die Herkunft aus Formproblemen der konkreten Kunst erkennen läßt.
Steht der Betrachter im Mittelpunkt einer solchen virtuellen Kugel mit Durchmesser von bis zu einigen Metern, dann - und nur dann - erscheinen die Kanten der Objekte parallel und rechtwinklig, und ihre Wirkung wäre die einer ebenen Fläche, zeigten nicht gekrümmte Schatten hinter ihnen, bzw. Farbraum-erscheinungen auf ihnen an, daß es räumliche Gebilde sein müssen. Hier scheint sich eine Diskrepanz der Wahrnehmung einzustellen, der nur die Standortveränderung entgegenzuarbeiten vermag. Hierzu fühlt sich der Betrachter geradezu aufgefordert, will er sich Klarheit über das Wahrgenommene verschaffen. Diese ist aber bei den Objekten nicht zu erlangen, doch führt die Annäherung immerhin zur Erkenntnis der tatsächlichen Dreidimensionalität des Objektes, ohne daß darüber seine farbräumliche Qualität verlorenginge. Die ausschließlich den Bereichen Malerei und Plastik vorbehaltenen, wesensmäßigen Eigenschaften sind nicht nur unabhängig voneinander angewendet worden, sondern haben in diesen Objekten tatsächlich zusammengefunden und sind nicht mehr voneinander lösbar.
Heiner Thiel schafft damit eine Synthese, etwas wesensmäßig anderes, was in seinem Werk einen erheblichen Qualitätsschub bedeutet.
Venedig, September 1998
Matthias Bleyl, Heiner Thiel 1997-1998. Kugelsegment Farbe Raum;
(Hg.) Galerie Alf-Krister Job, Band 1, Mainz, 1998 (englisch - sprachige Version liegt vor)
Die Würdigung des Werkes eines Künstlers sollte besser nicht mit einer Polemik beginnen, doch scheint sie mir ausnahmsweise durchaus angebracht. Seit einigen Jahren hinterlassen die Kunstmärkte den Eindruck, von dreidimensionalen, raumfüllenden Installationen beherrscht zu sein. Sicher handelt es sich dabei um eines der vielen zyklischen Phänomene, die in diesem zugegebenermaßen schwer zu durch- und überschauenden Bereich seit einigen Jahrzehnten beobachtet werden können und daher nicht überbewertet werden sollten. Vermeintlich gelingt es der Installation, neue Horizonte zu öffnen und Herkömmliches zu überwinden. Zumindest aus der historisch geschulten Sicht verbietet sich die Überbewertung solcher Modeerscheinungen, wenn sich auch noch jedesmal eilfertige Vertreter der Kunstkritik bereitgefunden haben, die sich bemühten, gewinnsteigernde verbale Schützenhilfe zu leisten. Nicht zuletzt dieser letzte Umstand bewirkt eine Art kollektiver Trübung des Blicks für anderes als die massenhaft angeschwollene Flut von Erzeugnissen aus der künstlerischen Bastelabteilung,
so daß viele ernsthafte Bemühungen abseits davon gar nicht erst oder nur sehr schwer ins Wahrnehmungsfeld geraten.
Hierzu gehört etwa auch das Überwinden der einst felsenfest erscheinenden Grenzen zwischen den herkömmlichen Kunstgattungen, vorzugsweise Malerei und Plastik, nicht je-doch durch Flucht in die raumbezogene Installation als einem völlig andersgearteten Feld, sondern mittels der ihnen selbst immanenten Qualitäten. Bei diesen handelt es sich im Bereich der Plastik notwendigerweise um die räumliche Form und im Bereich der Malerei um die Farbe.
Zu diesen gattungsübergreifenden Bemühungen gehören auch Heiner Thiels jüngste Arbeiten. Sie sind weder im Raum entfaltete Malerei noch farbig gefaßte Plastik. Das hier gegebene gestalterische Problem läßt sich so relativ einfach nicht fassen. Um die den Bereichen der Malerei bzw. Plastik wesensmäßig immanenten Qualitäten nicht nur zu kombinieren, sondern zu einem Dritten zu verschmelzen, bedarf es einer Synthese, die begrifflich nicht einfach zu bestimmen sein dürfte.
Heiner Thiel kommt von der räumlichen Gestaltung. Ihn interessiert daher vordringlich das Problem der realen Form, wie er es in jahrelanger Forschung in seinen früheren Arbeiten behandelt hat. Zu dem gesellt sich aber seit einiger Zeit das Interesse auch an der erscheinungshaften Form, womit Qualitäten ins Spiel kommen, die für gewöhnlich der Malerei vorbehalten sind. Sicher ist es für einen Plastiker nicht so einfach, wie es scheinen mag, sich einen ihm im Grunde wesensfremden Problembereich in gleicher Weise anzueignen, wie sein ureigenes Arbeitsgebiet; umgekehrt wird sich kaum ein Maler anmaßen, im dreidimensionalen Bereich sofort in gleicher Weise zu Hause zu sein wie in der Malerei, die zu ergründen er sich Jahre und evtl. sogar Jahrzehnte bemühen mußte.
Dennoch stellen die neuen Arbeiten Heiner Thiels eine behutsam und geduldig erarbeitete, gelungene Synthese dar, also etwas wirklich Neues in seinem Schaffen, nicht bloß eine Variante bisheriger Problemlösungen. Die Metallplatten kleinen und mittleren Formats befinden sich wie Malerei vertikal an der Wand und wirken aus einiger Distanz möglicherweise wie monochrome Malerei. Doch widerspricht dem zunächst die völlig unkörperliche Färbung, wie auch die Krümmung der Platten; der für die Malerei zutreffende und oft gebrauchte Begriff "Farbträger" wäre verfehlt.



1985-89
Museum für moderne Kunst -studio a, CUX
Städtische Galerie im Brückenturm, Mainz
Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz (5)
Art Cologne Förderkoje
1990-97
Galerie Lindner, Wien/Österreich (2)
Galerie Hermanns, München
Galerie Pergamon, Barcelona/Spanien
Museo San Telmo, San Sebastian/Spanien
Kunstverein Ludwigshafen
1998-2000
Galerie Krohn, Badenweiler
Charlotte Jackson Fine Art, Santa Fe/USA (2)
Galerie Alf-Krister Job, Mainz (2)
Walter Storms Galerie (mit Albert Hien), M
2001-2004
BERGNER + JOB Galerie, WI+MZ
Galerie Knook, Kunst aan Huis Edam /NL BERGNER + JOB Galerie, WI+MZ (2003)
Galerie Lindner, Wien/Österreich (2003)
Künstlerhaus Metternich, Koblenz
2005
BERGNER + JOB Galerie, MZ
Seit 1988
Teilname an den Kunstmessen: Basel, Köln, Frankfurt, Chicago, Madrid, Santa Fe
Bundeskunstsammlung Bonn
Kunsthalle Mannheim
Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
Graphische Sammlung Albertina, Wien
Museum für konkrete Kunst, Ingolstadt
Artothèque Grenoble
Museum für moderne Kunst – studio a Otterndorf / Landkreis Cuxhaven
Pfalzgalerie Kaiserslautern

Ausstellungseröffnung
29. Januar 2005
AK. Job, Heiner Thiel, E. Bergner
X / 00 / 373
2000
Aluminium, eloxiert
71 x 81 x 13 cm

Aussstellung in der Galerie Peter Lindner
1998, Wien, Austria
Ausstellung
Charlotte Jackson
Fine Art
1998
Santa Fe
New Mexico
USA

Z 004 / 98
1998
Graphit auf Transparentpapier auf Karton
60 x 74 cm

5 / 97 / 260
1997
Aluminium eloxiert
100 x 100 x 14 cm